eviag und Zarges: Gleich und gleich gesellt sich gern

Beide setzen auf Systemlieferungen und weitreichende Kooperation

Prozessoptimierung, Supply Chain Management, Systemlieferungen. Es sind zunehmend Begrifflichkeiten aus der Produktions- und Logistiktheorie, die in den Standard-Wortschatz der Windindustrie übernommen werden. Denn nicht nur die technische Weiterentwicklung der Anlagen steht im Fokus, sondern auch die Optimierung der Produktion innerhalb der „Wertschöpfungskette Windenergieanlage“.

Während es viele Unternehmen der Branche gibt, die sich nur zögerlich mit diesen Themen befassen, haben sich mit der eviag AG als Gesamtanlagenhersteller und der ZAS, Zarges Aluminium Systeme GmbH, Produzent von Turminnenausbauten, zwei Unternehmen zur Kooperation gefunden, die sich ausweislich ihrer Firmenphilosophie der Produktion und dem Zusammenbau von Systemen verschrieben haben.

„Wir verfolgen eine Plattformstrategie, die den standardisierten Bau von WEA ermöglicht“, erläutert Heinrich Boysen, Technikvorstand der eviag und verweist gleichzeitig auf die Systemlieferungen, die als Marktführer die Lieferung der Anlagen „state of the art“ sicherstellen. „Insofern passt Zarges hervorragend zu unserem Ansatz, der gleichzeitig beinhaltet, hohe Qualität zu garantieren“ ergänzt Boysen, der seit rd. 15 Jahren der Branche verhaftet ist.

„Wir haben Features kombiniert, die unsere Anlagen einzigartig machen“, äußert Boysen. „Der Antriebsstrang ist getriebeschonend gelagert, das verwendete Bremssystem ist so ausgelegt, dass es die Komponenten schont. Wichtig für den Service und Reparaturarbeiten: Die eviag-Anlagen sind die ersten, in denen sich die Monteure gleich wo in der Gondel aufrecht bewegen können“. Außerdem gebe es darüber hinaus noch spezifische Arbeitsplattformen in der Gondel mit einem direkten Zugang in die Nabe der Anlage.

Dies und andere Besonderheiten ermöglichten eben dieses Gesamtkonzept, das die Life-Cycle-Kosten beherrschbar mache. „Diese Kosten gelangen mehr und mehr auch aufgrund der weiteren Professionalisierung und Industrialisierung der Branche in den Blick der Investoren. Mit unserem Konzept werden wir deshalb in den kommenden Jahren noch sehr viel Erfolg haben“. Und nennt als Beispiel für eine gelungene Kooperation in diesem Sinne Zarges.

Boysen: „Mit Standardturmeinbauten von Zarges haben wir eine eindeutige Spezifikation für Turmeinbauten. Damit sieht jeder Turm innen gleich aus. Die Turmhersteller werden einmalig von Zarges eingewiesen. Die aufwendige Koordination durch eviag entfällt vollständig. Auch die Ersatzteile können eindeutig identifiziert und bei stets gleichbleibenden Lieferanten bestellt werden“.

Von diesem Konzept überzeugt ist auch eviag-Einkaufschef Dawid Melzer, der bei jeder Investition prüft, ob das preiswerte Angebot eines Zulieferers auch tatsächlich im Sinne der Gesamtkostenrechnung eines eviag-Projektes ausgelegt ist. Am Beispiel Zarges verdeutlicht er, was er meint: „Die Turmeinbauten von Zarges können durch den hohen Standardisierungsgrad trotz höherer Qualität zum gleichen Preis angeboten werden wie die Turmeinbauten der Turmhersteller. Bei der eviag AG werden jedoch nicht nur die direkten Kosten, also die Einzelpreise, sondern vielmehr die Total-Costs-Of-Ownership verglichen, die auch die indirekten Kosten beinhalten. Dazu gehören unter anderem die Anschaffungskosten, die Entwicklungskosten, aber auch die Folgekosten, die dem Anwender durch unproduktive Nutzung entstehen“.

Er erklärt auch gleich die Erleichterung für den eviag-Einkauf: „Der „normale“ Weg ist, dass der Turmhersteller die Turmeinbauten nach von uns vorgegebenen Eckdaten auslegt und einbaut. Die Folge ist, dass die Turmeinbauten von Turmhersteller zu Turmhersteller unterschiedlich sind. Der Einkauf muss mit Unterstützung des Engineerings unterschiedliche Konzepte verwalten und freigeben. Damit gibt es auch keine eindeutige Spezifikation“. Dies entfalle mit der Standardisierung der Türme durch Innenausbauten von Zarges.

Im Übrigen sei dies nicht nur für den Einkauf eine große Erleichterung, sondern auch für den Anlagenservice. Normalerweise müssten sich die Service-Mitarbeiter je nach Konzept bzw. je nach Turmhersteller in der Anlage neu orientieren. „Wenn er jedoch die eviag-grüne Tür sieht, die ebenfalls standardmäßig verbaut wird, weiß er genau, dass ihn der gleiche Turminnenausbau erwartet wie in den vorab besuchten eviag
ev 100, ev 90 oder ev 2.93.

Dipl.-Ing. Bernd Göpfert, Geschäftsführer bei der ZAS, freut sich über die Zustimmung, die das Zarges-Geschäftskonzept der eviag erfährt. „eviag gehört zu den drei Ersten, die auf unsere Geschäftsphilosophie sehr intensiv eingestiegen sind. Mittlerweile öffnen sich mehr und mehr Gesamtanlagenhersteller, die die Idee der ZAS gutheißen, den kompletten Innenausbau einer Windkraftanlage so zu bündeln, dass die Monteure auf der Baustelle nur noch zugreifen müssen, um je nach Bauabschnitt bzw. Turmsektion immer die nötigen Teile zur Verfügung zu haben“.

Pate habe bei diesem Konzept die Automobilindustrie gestanden, die die Just-in-Time-Lieferung (JIT) nahezu perfektioniert hat, erläutert Göpfert. Das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Weilheim befasst sich seit nunmehr fünf Jahren intensiv mit den Anforderungen der innovativen Windkraftindustrie. „Bei den derzeitigen Produktionszahlen von Windkraftanlagen, die in den nächsten Jahren noch weiter steigen werden, kommen die Anbieter von Komplettanlagen und die Hersteller von Türmen nicht umhin, auf Systemlieferungen zu setzen. Darauf haben wir uns eingestellt und liefern den Innenausbau komplett aus einer Hand“, erklärt Göpfert. „Damit einher gehen natürlich eine schnellere Abwicklung sowohl bei uns in der Logistik als auch auf der Baustelle durch die Zeitersparnis bei der Montage“. Übrigens auch mit Vorteilen für die Einzelkomponentenlieferung, die manche WEA-Hersteller noch bevorzugen. Göpfert: „Die Betonung liegt auf noch“.

Die Kommissionierarbeit finde zu großen Teilen in der so genannten „Supermarktstraße“ statt, die im KANBAN-System, also Nachschubsteuerung nach Verbrauch, ständig aufgefüllt wird. Analog dem Supermarkt fahren die Versandmitarbeiter einen 93 Meter langen Regalgang ab und greifen links und rechts nach der Ware. „Mit diesem System „Kiste zur Ware“ konnten wir die Kommissionierzeit im Endausbau um 50% reduzieren“.

Die Kunden haben verstanden, was wir wollen, meint Göpfert, „garantieren wir doch einen standardisierten Turmausbau bei gleich bleibend hoher Qualität, ohne kundenspezifische Eigenheiten zu vernachlässigen. Der Kunde profitiert durch die Serienproduktion in Form von Kostenvorteilen sowie einer hohen Projekt- und Prozesssicherheit. Dafür sorgt allein schon unsere Qualitätskontrolle auf der Basis jahrelanger Erfahrung im B2B-Geschäft und Mitarbeit in allen wesentlichen internationalen Normungsgremien“.

eviag und Zarges wollen ihre Kooperation ausweiten, sind sich Göpfert und Boysen einig und prüfen, wie die Prozesse noch weiter aufeinander abgestimmt werden können.

Für Rückfragen:
eviag AG
Peter-Heinrich Boysen:
h.boysen@eviag.com
0203/ 86053 - 0

Zarges Aluminium Systeme GmbH
Bernd Göpfert:
bernd.goepfert@zarges.de
0881/ 687 - 202